Zug, 23. September 2026 | Es war ein Nachmittag voller Begegnungen, persönlicher Geschichten und inspirierender Gedanken. Der Kantonale Seniorenverband Zug (KSVZ) und KISS-Zug feierten am 23. September im Theater Casino Zug gemeinsam ihre Jubiläen – 35 Jahre KSVZ und 10 Jahre KISS-Zug.
Unter dem Motto «Chancen packen im Alter» stand dabei nicht die Zahl der Lebensjahre im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie sich die zweite Lebenshälfte aktiv, selbstbestimmt und mit Zuversicht gestalten lässt.
Der Jubiläumsanlass verband Rückblicke und Zukunftsperspektiven, wissenschaftliche Erkenntnisse und persönliche Erfahrungen. Vor den mehr als 120 Gästen wurde deutlich: Älterwerden ist heute vielfältiger denn je. Die Pensionierung markiert für viele Menschen nicht das Ende eines aktiven Lebens, sondern den Übergang in eine neue Lebensphase – mit mehr Zeit und neuen Freiheiten, aber auch mit neuen Herausforderungen.
Alter ist Lebenszeit – und bietet Chancen
Tabea Zimmermann Gibson, Präsidentin des KSVZ und von KISS-Zug, brachte die zentrale Botschaft des Nachmittags bereits in ihrer Begrüssung auf den Punkt: Entscheidend ist nicht, wie alt wir sind, sondern was wir aus den Jahren machen, die vor uns liegen. Der KSVZ hat sein Jubiläumsjahr deshalb bewusst unter das Motto «Chancen packen im Alter» gestellt.
Dabei wurde das Alter keineswegs romantisiert. Krankheit, Verlust, Einsamkeit und zunehmende Abhängigkeit gehören ebenso zur Lebensrealität wie Engagement, neue Interessen, persönliche Freiheit und gesellschaftliche Teilhabe.
«Alter ist keine Wartezeit. Alter ist ein grosses Stück Lebenszeit.»
Diese Botschaft zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung.
Wissenschaftliche Impulse von Pasqualina Perrig-Chiello
Einen besonderen Höhepunkt bildete das Referat von Prof. em. Dr. Pasqualina Perrig-Chiello, Entwicklungspsychologin und emeritierte Professorin der Universität Bern. Unter dem Titel «Durchstarten im Alter – warum und wie?» setzte sie sich mit der Frage auseinander, was ein gutes und erfülltes Älterwerden ausmacht.
Ein Schwerpunkt ihres Referats waren die gesellschaftlichen Altersbilder. Negative Vorstellungen vom Alter können sich nicht nur auf die Wahrnehmung älterer Menschen durch die Gesellschaft auswirken, sondern auch auf deren eigenes Selbstbild und Verhalten. Positive Altersbilder stehen demgegenüber mit einer höheren Selbstwirksamkeit und besseren gesundheitlichen Perspektiven in Verbindung.
Auch die Pensionierung wurde neu betrachtet: Sie muss nicht als Schlussstrich unter ein aktives Leben verstanden werden, sondern kann den Beginn einer spannenden und individuell gestaltbaren Lebensphase markieren. Die Präsentation zeigte vielfältige Möglichkeiten auf – vom Weiterarbeiten über gesellschaftliches Engagement bis hin zur Verwirklichung persönlicher Interessen und Projekte.
Politik trifft persönliche Erfahrung
Auch der Zuger Ständerat und Stiftungsrat der Fondation KISS, Matthias Michel, nahm am Jubiläumsanlass teil. Dabei verband er zwei Perspektiven: die politische Sicht auf das Älterwerden und den Generationenzusammenhalt sowie seine persönliche Sicht auf diese Lebensphase.
Er machte deutlich, dass die Frage, wie wir das Älterwerden gestalten, nicht nur eine politische oder gesellschaftliche, sondern auch eine ganz persönliche ist – und jeden Menschen betrifft.
Vier Perspektiven, eine gemeinsame Botschaft
Für die anschliessende Podiumsdiskussion kamen vier unterschiedliche Perspektiven zusammen: Pasqualina Perrig-Chiello, Tabea Zimmermann Gibson, Unternehmer und Fondation-KISS-Stiftungsrat Georg Gasser sowie Ueli Gerber, Musikant und langjähriges KISS-Mitglied.
Die Diskussion machte das Thema noch einmal auf persönliche Weise greifbar.
Georg Gasser berichtete über die Veränderungen nach der Abgabe seiner unternehmerischen Verantwortung und darüber, wie sich der Umgang mit der neu gewonnenen Zeit verändert.
Im Zentrum standen Fragen nach persönlicher Freiheit, neuen Aufgaben und der Bedeutung von Aktivität und Engagement.
Eine besonders persönliche Perspektive brachte Ueli Gerber ein. Er und seine Frau Doris hatten sich nach ihrem Umzug nach Zug ein neues Umfeld aufbauen müssen. Über KISS fanden sie Kontakte und Unterstützung und konnten gleichzeitig selbst für andere Menschen aktiv werden.
Damit wurde anschaulich, was gegenseitige Nachbarschaftshilfe bewirken kann: Man ist nicht einfach Helfende oder Hilfesuchende – manchmal ist man beides zugleich.
Ein Nachmittag, der Mut macht
Für den KSVZ war dieser Jubiläumsanlass mehr als ein Rückblick auf 35 Jahre Verbandsarbeit. Er war eine Bestätigung dafür, dass es sich lohnt, den Blick auf das Alter zu verändern: weg von einseitigen Vorstellungen von Defiziten und Abhängigkeit, hin zu einem Altersbild, das Lebensfreude, Selbstbestimmung, Erfahrung und gesellschaftliche Teilhabe sichtbar macht.
Die vielen Begegnungen und Gespräche während des Anlasses haben gezeigt, wie vielfältig die Lebensentwürfe im Alter sind. Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Entscheidend ist vielmehr, dass Menschen die Möglichkeit haben, ihre dritte Lebensphase nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten und dabei Unterstützung, Begegnung und Gemeinschaft finden.
Genau hier sieht der KSVZ eine seiner wichtigen Aufgaben. Als kantonale Interessenvertretung älterer Menschen im Kanton Zug setzt er sich für deren Anliegen ein, begleitet Entwicklungen im Altersbereich und fördert den Dialog zwischen Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und weiteren Akteuren. Gleichzeitig geht es darum, die Interessen und Anliegen der älteren Generation sichtbar zu machen, gesellschaftliche Entwicklungen mitzugestalten und sich dafür einzusetzen.
Bilder: Nadja Linda Morach, Esther Haas
KSVZ blickt zuversichtlich in die Zukunft
Mit diesem Gedanken blickt der KSVZ nach vorne. 35 Jahre KSVZ sind nicht nur ein Grund zum Feiern, sondern auch Ansporn, weiterhin Impulse zu setzen, Brücken zwischen den Generationen zu bauen und die Perspektive älterer Menschen in Gesellschaft und Politik einzubringen.
Der Jubiläumsnachmittag im Theater Casino hat dazu ermutigt und eine Botschaft hinterlassen, die weit über das Jubiläum hinausweist: Alter ist Lebenszeit – und diese bietet vielfältige Chancen, die es zu entdecken und zu nutzen gilt.
Beim anschliessenden Apéro riche liessen Gäste, Mitglieder und Mitwirkende den Jubiläumsanlass in entspannter Atmosphäre ausklingen. Der persönliche Austausch und viele anregende Gespräche boten Gelegenheit, die Eindrücke des Nachmittags zu vertiefen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Folgen Sie dem KSVZ
Bleiben Sie informiert und folgen Sie dem KSVZ auf Facebook, Instagram und LinkedIn.